BVCMler im Fokus: Interview mit Patricia Romanowsky

Eine der Hauptaufgaben, der wir uns im BVCM stellen, ist die Aufklärung über die Berufsbilder des Community Managers und des Social Media Managers. Wie könnte das besser gelingen, als die Professionals, die in diesem Bereich tätig sind, nach ihrem Arbeitsalltag zu befragen?
Im Interview hat mir Patricia Romanowsky mehr über sich und ihren Job verraten. Sie arbeitet in der Online-Kommunikation der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und steckt mitten im politischen Geschehen.

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Patricia, Du bist im Bundestag tätig, ist das noch etwas besonderes für Dich?
Ich bin jetzt fast auf den Monat genau zehn Jahre im politischen Berlin tätig – beantwortet das die Frage schon? Nein, im Ernst: Gottseidank ist ja schon der Job an sich nie Routine, obwohl es natürlich geregelte Abläufe gibt. Als Online-Kommunikation gehören wir zur Pressestelle, das bedeutet sowohl jeden Tag neue Themen, als auch feste Termine, wie zum Beispiel die Fraktionssitzung an Dienstagen in einer Sitzungswoche.
Wenn man dort dann ganz selbstverständlich an der Bundeskanzlerin vorbei läuft oder wie letztens vor der wichtigen Sitzung zur Abstimmung über die Griechenland-Hilfen noch schnell einen Kaffee trinkt und dabei neben Wolfgang Schäuble sitzt, der nochmal durchatmet, bevor er die Verhandlungsergebnisse von Brüssel vorstellt – dann hält man schon mal inne und macht sich klar: Das ist kein alltäglicher Job. Allerdings hat man so auch eine besondere Verantwortung für jedes Wort, das über die Netzwerke rausgeht.

Es heißt ja über nichts lässt sich so trefflich streiten wie über Liebe, Geschmack und Politik. Kannst Du das bestätigen?
Die Vorstellung ist leider etwas antiquiert. Wir sehen doch jeden Tag, dass die Zeit einer vernünftigen Debattenkultur vorbei ist. Online besonders. Es gibt oft Beiträge, da würde ich – also mit meinem privaten Profil – gerne etwas schreiben, lasse es dann aber, weil ich über die Konsequenzen nachdenke – und die laufen meist auf ein Wort hinaus: Hass. Die Leute streiten ja gar nicht mehr, sie radikalisieren sich. Meinungen werden nicht mehr diskutiert, Argumente kaum sachlich ausgetauscht. Dabei können viele garnicht differenzieren, von wem sie sich da befeuern lassen. Ich nenne es „The age of 55 Savushkina Street“ – angelehnt an die Adresse von Putins Trollarmee in St. Petersburg. Das Netz ist zum Schlachtfeld geworden, nicht nur im Ukraine-Konflikt, auch für Terroristen wie ISIS. Streiten auf diesem Feld ist hochgefährlich. Es ist leider nicht mehr wie früher, wo man sich zoffte und dann gemeinsam ein Bier trinken gegangen ist – auch weil das Gegenüber heute anonym ist.

Juckt es Dich nicht ab und zu in den Fingern die Themen politisch aktiv mitzugestalten? Wie gehst Du damit um, wenn Du Dinge vermitteln sollst, die Dir eigentlich widerstreben?
Mitgestalten tut man ja unwillkürlich auf die ein- oder andere Weise. Durch den ständigen Kontakt und Gespräche mit den Abgeordneten kann man auch mal Themen und Diskussionen anstoßen. Ich habe wirklich großen Respekt vor dem, was unsere MdBs so leisten, die meiste Arbeit steckt ja in den Wahlkreisen, die verbringen von Montag bis Sonntag ihren ganzen Tag mit Terminen, obwohl ihnen immer das Gegenteil vorgeworfen wird.
Ich habe ein anderes Leben –und bin damit hoch zufrieden. Dazu gehört mein Job, der aber nicht daraus besteht, politische Überzeugungsarbeit zu leisten. Das muss man schon differenzieren: Dafür sind die Mandatsträger da. Mein Job ist es, die Dinge journalistisch für die Website aufzubereiten und in den Netzwerken zu platzieren. Da denke ich weniger über meine Meinung, als über Keywords und Hashtags nach.

Wir erleben ja gerade mit den Aktivitäten der Bundesregierung bei Facebook einen wirklich gut gemachten Case. Wird Community Management in Zukunft eine bedeutendere Rolle in der Bundespolitik und bei den Parteien einnehmen?
Community Management spielt ja schon eine wesentliche Rolle, jedenfalls in unserer Fraktion. Heutige Pressearbeit ist ohne soziale Netzwerke kaum mehr denkbar – deswegen wird das Social Media Management ja seit einiger Zeit zu Recht in die Pressestellen integriert oder daran angedockt. Das eine bedingt das andere. Fast alle Journalisten nutzen Twitter als Second Screen, weil sie wissen, dass es dort Infos jenseits der klassischen Pressemitteilung gibt.

Und zum Schluss: Hast Du einen Lieblingstroll und wie gehst Du mit ihm um?
Ich hatte tatsächlich mal einen, das war aber zu der Zeit, als ich noch im Adenauer-Haus war und als Studentin klassische Bürgerkommunikation gemacht habe. Er schrieb – ganz analog – Postkarten und litt unter Verfolgungswahn. Er hatte seinen Alltag ganz beständig danach ausgerichtet, geheime Zeichen von der CDU zu bekommen und deutete alles – die Nachrichten im Radio, die Worte der Verkäuferin im Bäcker, Gespräche in der S-Bahn – als Botschaften an ihn. Ich frage mich heute manchmal noch, was aus ihm geworden ist …Geantwortet habe ich auf die Karten allerdings nie.

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