BVCMler im Fokus: Interview mit Roland Panter

Eine der Hauptaufgaben, der wir uns im BVCM stellen, ist die Aufklärung über die Berufsbilder des Community Managers und des Social Media Managers. Wie könnte das besser gelingen, als die Professionals, die in diesem Bereich tätig sind, nach ihrem Arbeitsalltag zu befragen? Im Interview hat mir Roland Panter mehr über sich und seinen Job verraten.
Er ist freiberuflicher strategischer Berater und Interims Manager für Unternehmenskommunikation und hat bereits zwei Bücher zu Social Media geschrieben – ein Drittes ist derzeit in Arbeit.

Roland Panter - strategischer Berater und Interims Manager
Roland Panter – strategischer Berater und Interims Manager

Roland, wenn Du jetzt in Deinem Büro auf Deinen Rechner und dann aus dem Fenster schaust, was siehst Du? An was denkst Du?
Ich arbeite seit einiger Zeit als freiberuflicher strategischer Berater im Homeoffice. Von meinem Schreibtisch sehe ich in den Garten auf einen wunderbaren Baum, der grad bei Sonne ein tolles Spiel mit dem Licht vorführt. Dieser Blick ins Grüne spendet mir immer wieder kraftvolle Momente. Eins meiner Themen ist beispielsweise die digitale Transformation von Unternehmen. Grad die Natur macht uns vor, wie man sich mit dem permanenten Wandel durch Jahreszeiten und Wetter arrangieren kann. Mich inspiriert und erdet das immer wieder.

Also Du denkst nicht in Hashtags? Mir passiert das nämlich manchmal …
Nein, ganz so „schlimm“ ist es noch nicht. Aber ich benutze gerne Hashtags, wenn ich über meine Arbeit spreche. Das kommt oft in Workshops, Vorträgen und Seminaren vor. Das tolle an Hashtags ist, das sie eine vorgegebene Struktur oder Navigation effektiv durch thematische Relevanz aushebeln können. Hashtags vernetzen Informationen, von dieser Methode können gerade Unternehmen noch etwas lernen.

Du beschäftigst Dich jetzt schon seit über 20 Jahren mit Unternehmenskommunikation. Wie hat sich die Art des Arbeitens für Dich und Deine Kunden in dieser Zeit verändert?
Die wesentlichste Veränderung ist sicher die Zunahme der Intensität. Früher war die Hardware der limitierende Faktor bei ganz vielen Prozessen. Ich konnte zu dieser Zeit viel mit meinen Kollegen plaudern, da bspw. das Ausdrucken eines Layouts teilweise mehrere Tage gedauert hat. Heute sind Rechner schneller als Menschen. Damit sind die maschinenbedingten Pausen weggefallen. Auch andere Bereiche sind durch Technologie schneller geworden. Wo früher zwei Tage Zeit für den Postversand eingeplant wurden reicht heute eine Email. Entsprechend hat sich die Arbeit verändert.
Unternehmenskommunikation ist inzwischen eine Echtzeitaufgabe – auch, wenn das noch nicht in allen Unternehmen angekommen ist. Social (Media) und die Digitalität verändern grad ziemlich effektiv unsere „gewohnte“ Welt. Ich find das sehr spannend und habe schon immer gern solche Veränderungen aktiv begleitet. Mir macht das großen Spaß, ich bin kreativ und ich hab unter anderem deshalb einen guten Zugang zu diesen Modernisierungsthemen.
Wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass statt thematischer Silos die Vernetzung der Abteilungen und Bereiche in Unternehmens eine solche Bedeutung erlangen wird. Arbeit hat so viele neue Facetten bekommen und klassische Hierarchiedenke stößt inzwischen an vielen Stellen an.

Hättest Du – als Du mit Community Management und dem Moderieren von Blogs angefangen hast – gedacht, dass daraus mal ein eigener Berufsstand wird?
Ich habe ja um den Jahrtausendwechsel herum eher zufällig angefangen an diesen Themen zu arbeiten. Niemand hatte damals die Idee, dass das mal Social Media heißen wird und die klassische Marketinglehre zum Teil auf den Kopf stellen wird. Ich habe zum Glück Kommunikation immer als ein ganzheitliches und interdisziplinäres Thema verstanden. Das hilft mir bis heute.
Die neuen Berufe spielen inzwischen eine große Rolle. Ich kann mich aber auch noch gut an Kommentare beim ersten Community Camp erinnern, als der Austausch zwischen Moderatoren eher geringschätzend als Selbsthilfegruppe abgetan wurde. Heute ist gerade dieser Erfahrungsaustausch eine wertvolle Instanz für Community Manager und trägt viele Innovationen in die Unternehmen.

Und was denkst Du, wo geht die Entwicklung in den nächsten Jahren hin?
Im Moment beginnen wir neue Spezialisten zu züchten, Social Media Manager, Community Manager, Manager Digitales Marketing und auch diverse SEO-Irgendwas. Mir persönlich kommen die Generalisten dabei etwas zu kurz. Ganz klar braucht es die Spezialisten, die beispielsweise eine Facebook-Kampagne optimal aussteuern können. Es braucht aber eben auch jene, die den Überblick behalten und es auch schaffen Themen wie SEO und Digital Relations mit Social Media und Community Management zu verweben. Betreibt man das mit großer Ernsthaftigkeit, geht es auch schnell um die Unternehmensentwicklung.
Themen wie Digitale Transformation und Innovationsmanagement haben großen Anteil an der künftigen Ausrichtung von Unternehmen. Genau dieser Aspekt liegt mir besonders und ich würde mich freuen, wenn wir es schaffen hier auch noch weitere Spezies in den Unternehmen zu etablieren. Positionen, wie der eines Chief Digital Officer werden wichtiger und betreffen eben nicht nur digitale Themen, sondern ganz viel klassisches Kommunikationshandwerk. „Don’t be evil“ von Google war da ganz weit vorn – auch, wenn sich das heute nicht mehr so richtig authentisch anfühlen mag.

Warum bist Du beim BVCM aktiv?
Ich habe die Gründung des BVCM live miterlebt und beobachte das Engagement der handelnden Personen im Verband seither mit großer Wertschätzung. Selbst bin ich noch gar nicht solang dabei, nun dafür mit umso mehr Enthusiasmus. Grad im Bereich Normierung der Berufsbilder passieren innerhalb des Verbandes großartige Dinge. Ganz besonders ist die Arbeit von Vivian Pein da hervorzuheben.
Es ist aber auch die Vernetzung der Mitglieder, die den Verband für mich so wertvoll macht. Dort gibt es viele großartige Menschen, die die Liebe zur Veränderung eint. Von solchen Charaktermerkmalen kann Deutschland meiner Meinung nach nur profitieren.

Und zum Schluss: Was ist das Kurioseste, Emotionalste oder Lustigste, das Dir mit Social Media jemals passiert ist?
Ich fang da mal mit Sascha Lobos These an, dass wir alle irgendwann mal Trolle sind. Aus vielen meiner eigenen Trollmomente sind inzwischen spannende Dinge entstanden. Ich hab irre viel über die schwierige Kommunikation im Netz gelernt und über die Unterschiedlichkeit der Menschen. Grad aus letzterem Grund weiß ich eigentlich nichts darüber. Die schönste Schematik wird spätestens morgen schon widerlegt. Das ist spannend und herausfordernd. Daraus entstehen immer wieder bereichernde Begegnungen mit anderen Menschen. Mein Netzwerk wächst jeden Tag 🙂

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