Was tun bei einem Verstoß gegen das Urheberrecht? Ein Erfahrungsbericht.

BVCM AdventskalenderWie bei einem guten Krimi, fing die Geschichte über das Urheberrecht ganz friedlich an – ich veröffentlichte am 8. März dieses Jahres einen Beitrag über eine Liveshow des Kabarettisten Hagen Rether in meinem Blog Istdasvegan.eu und teilte den Beitrag bei Facebook, Twitter und Instagram. Da Hagen Rether selber Veganer ist, hatte er in seiner vierstündigen Show etwa 20 Minuten über vegane Ernährung gesprochen. Über diese Minuten hatte ich einen Blogbeitrag geschrieben, der einschlug wie eine Bombe. Ich hatte mir für die Show bei seinem Management offiziell eine Akkreditierung besorgt und ihnen den Link zu dem Beitrag gemailt.

Innerhalb von zwei Tagen war er über 4000x geteilt worden – ich schwebte auf Wolke sieben! Besonders als ich sah, dass der vegan lebende Manager der Fantastischen Vier, Andreas Bär Läsker, den Beitrag auf seiner Facebook-Seite geteilt hatte. Auf meiner eigenen Seite bekam er über 300 Gefällt mir und wurde genauso oft geteilt. Damals hatte ich etwa 1000 Facebook-Fans. Inzwischen ist der Beitrag über 6000x geteilt und über 13.000x im Blog aufgerufen worden.

Eigentlich hätte ich mich freuen, gemütlich eine Flasche Sekt aufmachen und auf den Erfolg anstoßen können.

Zu früh gefreut

Tja, man soll sich nicht zu freuen, das lernte ich in den Tagen darauf. Am 10. März öffnete ich die Facebook-App und scrollte durch meinen Newsfeed – und sah, dass ein großer veganer Blog die Statusmeldung einer Frau, nennen wir sie Josephine, mit dem kompletten Text meines Blogbeitrages geteilt hatte! Ohne eine Quellenangabe oder einen Link zum Blog. Mein Herz fing an zu rasen und ich regte mich fürchterlich auf.

Kurzerhand schrieb ich unter den Originallink von Josephine den folgenden Text: „Der Text ist von meinem Blog geklaut!! Bitte posten Sie doch den Link zu meinem Blog und kopieren nicht einfach fremde Texte!!“ Den Link setzte ich darunter. Daraufhin meldete sich Josephine sehr freundlich, entschuldigte sich dafür und bot an, dass sie den Link unter den Beitrag setzt. Sie habe gar nicht gewusst, dass der Text von mir sei. Sie habe ihn bei ihrer Bekannten Alexandra gesehen und dort kopiert. Sie gab mir den Link zum Facebook-Profil von Alexandra, auf dem diese den Text öffentlich geteilt hatte. Da Alexandra sehr viele Freunde hatte, wurde der Beitrag dort über 800x geteilt – Lorbeeren, die eigentlich mir gehörten.

Auch sie schrieb ich mit dem gleichen Text unter dem Beitrag an und … es kam keine Reaktion. Ich schrieb Alexandra mehrere private Nachrichten, erst freundlich und in den darauffolgenden Tagen auch mit der Drohung, die Angelegenheit einem Anwalt zu übergeben. Sie reagierte auf keine einzige dieser Nachrichten. Stattdessen stellte ich nach einigen Tagen fest, dass sie mich blockiert hatte, sodass ich ihren Beitrag nicht mehr lesen konnte.

Meldung bei Facebook

Nun war meine Geduld am Ende: Ich meldete mich mit einem Fakeprofil bei Facebook an, suchte den Beitrag raus und meldete den Vorfall Facebook mit dem Hinweis auf eine Verletzung des Urheberrechts. Bereits am nächsten Tag war der Post gelöscht.

Obwohl Alexandra als Studentin eigentlich ordentliches Zitieren gelernt haben müsste, hatte sie das Urheberrecht offenbar nicht verstanden. Denn am nächsten Tag trollte sie auf meiner Facebook-Seite herum und beschwerte sich darüber, dass ich sie bei Facebook gemeldet hatte. Ich wies sie erneut auf die Rechtslage hin und blockierte sie anschließend. Mithilfe des Fake-Profils kontrollierte ich anschließend unregelmäßig, ob sie den Text noch einmal kopiert hatte.

Urheberrecht bei Facebook.
Screenshot von Facebook.

Leider war sie nicht die Einzige, die Teile des Blogbeitrages kopiert und gepostet hatten – darunter sogar eine offizielle Organisation aus Österreich. Schon etwas des Kampfes müde geworden, kommentierte ich nur den bekannten Text unter dem Beitrag. Es kam keine Reaktion der Organisation. Stattdessen meldete sich eine Frau, die mir sagte, ich müsse in der heutigen Zeit mit solchen Verstößen gegen das Urheberrecht leben. Den genauen Wortlaut seht ihr auf dem Screenshot. Für mich ist das Urheberrecht ein sehr schützenswertes Gut, weshalb ich auch so vehement dagegen vorgegangen war.

Einige haben nur die Zitate kopiert, wogegen ich nichts machen konnte, da diese ja nicht von mir stammten, sondern von Hagen Rether. Folglich reichte es hier aus, ihn als Quelle zu nennen. Geärgert habe ich mich natürlich trotzdem, da ich mir ja die Arbeit gemacht hatte und die zu „Papier“ gebracht hatte.

Was habe ich daraus gelernt?

Während der ganzen Zeit habe ich mich immer wieder gefragt: „Ist es richtig, sich aufzuregen oder soll ich lieber meine Nerven schonen, weil ich es sowieso nicht ändern kann? Hat die Frau mit ihrem Kommentar recht?“ Das Urheberrecht ist eindeutig auf meiner Seite, aber wenn man ehrlich ist, kann man nicht alles kontrollieren. Die Zeit sollte man lieber in weitere gute Blogbeiträge stecken. Eigentlich!

Wie seht ihr das? Hattet ihr schon mal so einen Fall? Wie seid ihr damit umgegangen? Mich würde es sehr interessieren, zu erfahren, wie ihr in so einer Situation gehandelt hättet.


Mehr Informationen

Adventskalender 2015: Wie ich nach der Social Media Akademie meinen Blog aufbaute

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