Wie wir gegen LSBTIQ*-Diskriminierung agieren können

Während in großen Teilen der Bevölkerung die Akzeptanz von LSBTIQ* wächst, mobilisieren insbesondere rechtskonservative Kreise wieder massiv und lautstark gegen die Gleichstellung. Sie verunglimpfen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als „Genderwahn“ und die Aufklärung in den Schulen zu diesem Thema als „Frühsexualisierung“. Sie wollen das alte Normalitätsdiktat wieder herstellen – die heterosexuelle Kleinfamilie als Norm und alle anderen Lebensformen als Abweichungen von der Norm, die nicht ganz so wertvoll sind. Hasskommentare gegenüber Minderheiten werden schnell verfasst und (Mord-)Drohungen per E-Mail ausgesprochen. Cybermobbing & Hate Speech sind In? Nicht mit uns!

Hate Speech, Diskriminierung und die Ausgrenzung von LSBTIQ*-Menschen sind allgegenwärtig. Besonders in den Sozialen Netzwerken sind persönliche Angriff oder gar Belästigungen von nicht heterosexuellen Menschen täglich zu beobachten. Homosexualität wird als Sünde dargestellt, Transsexualität in der Regel mit einer nicht therapierbaren Krankheit gleichgesetzt und Intersexualität verspottet. Die „dritte Option“ existiert in dieser alten hetero-normativen Gesellschaft nicht.

Als Bundesverband für Community Management, Social Media und digitale Kommunikation möchten wir den Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT) nutzen, um auf die Diskriminierung unserer Freund*innen aufmerksam zu machen, ein Zeichen zu setzen und Euch aufzuzeigen, wie wir LSBTIQ*-Diskriminierung entgegen wirken können.

Am 17. Mai ist #IDHAOT – jedes Jahr für Menschenrechte!

Das Internet bietet für zahlreiche LSBTIQ*-Menschen eine Community – eine Familie, die einige zu Hause aufgrund von Ausgrenzung und Unverständnis nicht erleben dürfen bzw. durften. Mit nur einem Klick können sie der negativen Realität entfliehen und Gleichgesinnte ‚treffen’. Individuelle Menschen können sich schnell und unkompliziert Informationen über die Gemeinschaft holen – sich austauschen und Freundschaften knüpfen.

In einer Online-Umfrage hat vpnMentor LSBTIQ*s befragt, ob ihre geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung Einfluss auf ihre Erfahrungen und damit verbundenen Reaktionen im World Wide Web haben. Die Ergebnisse der Umfrage sind erschreckend: Diskriminierung, Mobbing und willkürliche Behauptungen sind in den hasserfüllten Kommentaren vertreten und persönliche Anfeindungen sowie homophobe, biphobische und transphobe Beleidigungen überall in den Kommentarspalten zu entdecken.

LSBTIQ*-Cybermobbing – Die dunkle Seite des Webs

Laut der vpnMentor-Studie wurden 73 Prozent der LGBTQ+-Menschen schon einmal persönlich angegriffen oder online belästigt. Diese Übergriffe haben oft damit zu tun, dass man die sexuelle oder geschlechtliche Identität anderer ändern oder kritisieren will. Oft bleibt es nicht bei Beleidigungen. Manchmal führen sie auch zu physischer Gewalt. Vor allem dann, wenn Screenshots aus dem Zusammenhang gerissen und veröffentlicht werden.

Ein paar Ergebnisse zusammengefasst:

  • 50 Prozent aller Befragten wurden online bereits sexuell belästigt.
  • Transgender-Frauen werden am wahrscheinlichsten gegen ihren Willen online geoutet und Cisgender-Männer am wenigsten wahrscheinlich. Als Transgender bezeichnet, werden Personen, deren soziales Geschlecht (Gender) ein anderes als das bei der Geburt zugewiesene ist. In diesem Fall Frauen, deren biologisches Geschlecht als männlich eingeordnet wurde. Cisgeschlechtliche Menschen identifizieren sich mit dem bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht (aus dem lat.; cis= diesseits).
  • Im Bereich geschlechtliche Identität fühlen sich Transgender-Frauen am wenigsten sicher und Cisgender-Männer am sichersten.
  • Beim Thema sexuelle Orientierung fühlen sich asexuelle Leute online am wenigsten sicher und homosexuelle Männer am sichersten.
  • 73 Prozent aller Befragten in allen Kategorien von geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung wurden schon persönlich angegriffen oder online angepöbelt.

Soziale Medien gelten mittlerweile als Hauptform der Kommunikation im Internet. Gerade weil kein direkter Kontakt besteht, ist die Hemmschwelle geringer und Mobbing und Diskriminierung stärker vertreten als in der realen Welt.

LSBTIQ*-Diskriminierung im Netz entgegnen

In der Regel reicht es schon, wenn man beleidigende Anwender meldet und blockt und somit die Interaktion mit ihnen unterbindet. Besteht das Problem weiterhin oder werden andere Kanäle eingebunden, so sollte der Vorfall direkt auf der Plattform gemeldet und – wenn nötig – gar zur Anzeige gebracht werden.

Eine Diskussion mit hasserfüllten Menschen zu beginnen, hat keinen Mehrwert und wird keine Besserung mit sich bringen. Die folgenden Punkte können aber dazu beitragen, sich als LSBTIQ*-Person sicherer im Netz und seinen Plattformen zu bewegen:

  • Die Plattform einbeziehen und den Kommentar melden
  • Auch anonym kann eine Meldung erfolgen.
  • Verstecke oder entferne Kommentare, die dich verletzten.
  • Und natürlich: Don’t feed the troll.

Bei den meisten Plattformbetreibern können zudem private Listen und Gruppen erstellt werden, die deine Privatsphäre schützen. Leider wird diese Funktion immer seltener genutzt, obwohl es so einfach ist, sich zu schützen.

In sozialen Netzwerken ist es zudem ratsam, darauf zu achten, wer die Beiträge einsehen kann. In der Regel kann für jeden Post eine individuelle Einstellung vorgenommen werden.

Der BVCM steht Dir jederzeit bei Fragen zur Seite und wir leiten Anfragen gerne in unserem Netzwerk weiter.

LSBTIQ*-Hintergrundwissen: 50 Jahre Stonewall

Vor 50 Jahren – in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 – wehrten sich die lesbischen, schwulen und trans*-Gäste der Bar Stonewall Inn in der Christopher Street in New York erstmals gegen die willkürlichen und brutalen Razzien und Verhaftungen der Polizei. Die Christopher Street wurde zum Symbol schwul-lesbischer Emanzipation.

Vor 50 Jahren – am 25. Juni 1969 – wurde in der Bundesrepublik Deutschland der von den Nationalsozialisten verschärfte § 175 reformiert. Die Strafbarkeit homosexueller Kontakte zwischen erwachsenen Männern wurde abgeschafft.

Vor 50 Jahren zog auch durch die BRD ein Hauch von Revolte. Die Studentenbewegung kämpfte für Gesellschaftsveränderung, Frieden und Gerechtigkeit. Die neue Frauenbewegung, engagierte sich gegen patriarchale Strukturen, für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.

Seither kämpft die LSBTIQ*-Community für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen, Trans*- und Intersexuellen Menschen. Mehr Informationen zum Thema findet ihr beim CSD Deutschland e.V..

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